Das Porträt von Esther Das schwarze Heft

Die Notizen von Rose Valland

81
article26
Episode III - Seitenzahl 81

Man sieht Rose Valland immer mit einem Notizheft. Heimlich führt sie Buch über die Aktivitäten des ERR im Jeu de Paume.

In Wirklichkeit schreibt sie eine Art Tagebuch in Form von Berichten, die sie regelmäßig Jacques Jaujard, dem Direktor der französischen Museen, übermittelt. Einen Besuch von Marschall Göring schildert sie folgendermaßen:

« 3. Dezember 1941 :

  • Besuch von Marschall Göring im Jeu de Paume am 2. Dezember von 16.30 Uhr bis 18 Uhr.
  • Besichtigung der Ausstellung der Luftwaffe und der Werke aus den enteigneten jüdischen Sammlungen.
  • Während dieser Besuche durfte sich kein Franzose im Museum aufhalten.
  • Morgen wird Marschall Göring in seinem Sonderzug (4. Dezember abends) die Statuen (mit Ausnahme von einer) aus dem Stadthaus von Edouard de Rothschild und fünfzig Gemälde mitnehmen. Bei den Gemälden handelt es sich zum Großteil um impressionistische Werke aus der Rosenberg-Sammlung.”

Rose Valland wird von den Nationalsozialisten unter Druck gesetzt und bedroht. Der Vorfall mit Bruno Lohse im Februar 1944 ist ein Beispiel dafür:

« 9. Februar 1944 : Langes Gespräch mit Dr. Lohse, der mich unglücklicherweise dabei erwischte, als ich eine Adresse entzifferte. Er nutzt diese Gelegenheit, um mich daran zu erinnern, dass alles, was hier geschieht, geheim bleiben müsse, ansonsten würde sich derjenige in große Gefahr bringen. Er schaute mir in die Augen und sagte, dass ich erschossen werden könnte. Ich antwortete ruhig, dass hier jeder wisse, welches Risiko er eingehe.”