Das Porträt von Esther Das schwarze Heft

Pétain und das Vichy-Regime

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Episode I - Seitenzahl 60

«Ich bin aus freiem Entschluss der Einladung des Führers gefolgt. Es wurde eine Kollaboration zwischen unseren beiden Ländern ins Auge gefasst. Ich habe dies grundsätzlich akzeptiert. (…) Diese Kollaboration muss aufrichtig sein. Sie muss jedes aggressive Denken ausschließen, sie muss von einer geduldigen, vertrauensvollen Bemühung getragen werden.»

Philippe Pétain
militaire et homme politique français (1856-1951), ici en civil dans les années 1930
Harris & Ewing Collection, Library of Congress
(Domaine public), via Wikimedia Commons

In seiner Ansprache am 30. Oktober 1940 kündet Marschall Pétain, der Chef des „französischen Staates”, die Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland an. Wie konnte dieser 84-jährige Mann die Führung Frankreichs übernehmen?

Am 3. September 1939 erklärt Frankreich Deutschland den Krieg. Das ist der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Nach monatelangen Kämpfen marschiert die deutsche Armee am 14. Juni 1940 in Paris ein. Zwei Tage später wird Marschall Pétain vom Staatspräsidenten zum Regierungschef ernannt. Er verkündet am 17. Juni 1940 in einer Radioansprache den Waffenstillstand.

Am 10. Juli überträgt die Nationalversammlung alle Befugnisse der Regierung an Pétain. Er erklärt sich selbst zum Chef de l‘ « Etat français » [Staatschef]. Dies ist das Ende der 3. Republik.

Von seinem Regierungssitz in der Stadt Vichy aus, erlässt Pétains autoritäres Regime Anfang Oktober 1940 antisemitische Gesetze, um Deutschland einen Gefallen zu tun. Dies war der Beginn der Kollaboration mit dem Dritten Reich. Esther und ihre Eltern, französische Juden, werden zu Opfern dieses zeitgeschichtlichen Kontextes.